"Ein rondò für das klavier allein" überschreibt Mozart in seinem "Verzeichnüss aller meiner Werke" am 11. März 1787 das hier aufgenommene Rondo a-moll KV 511. In der wissenschaftlichen Literatur wird es nicht ausführlich besprochen. Es ist ein rätselvolles kleines Werk, nach der Prager Sinfonie und vor dem Don Giovanni entstanden. Wolfgang Hildesheimer, der sein Mozartbuch als Liebender und wohl nur als Liebender geschrieben hat, spricht von einem "valse triste", dem er Chopinhaftes anmerkt. Alfred Einstein schreibt: "Man erkennt die ganze Tiefe seiner Empfindung, die Vollendung seines Stils, das Hell-Dunkel von Moll und Dur ...". Der gelegentlich angeführte biographische Zusammenhang der Entstehung mit dem frühen Tod des gleichaltrigen Freundes Graf Hatzfeld ist möglich, ergibt sich aber nicht eindeutig aus den Quellen. Schon der Beginn des Werkes im walzerartigen Takt verzaubert: Es kommt irgendwo her, es geht irgendwo hin - ähnlich dem Anfang der späteren g-moll Sinfonie KV 550.

Wolfgang Klähn hat dieses Rondo schon früh als eine Scheide in Mozarts Werk angesehen, die das mittlere und das Spätwerk trennt. Es hat in seiner geheimnisvollen Ungreifbarkeit den Künstler so gefesselt und herausgefordert, dass er sein Rondo 1958 schrieb, um Mozarts Geheimnis auf die Spur zu kommen. Daher erkennt der Hörer in einzelnen Sequenzen ferne Erinnerungen an das mozartische Ausgangswerk. Ist die Analyse des Mozartstücks durch Schaffen eines eigenen Rondos gelungen? Es ist zu vermuten, dass der Komponist diese Frage verneinen würde. Das Rondo Klähns ist umfangreicher als das Vorbild. Durch Taktartwechsel von 7/8 zu 11/8 zu 5/8 bekommt es von Beginn an einen sphärischen Charakter. Nur kurze Abschnitte gehen rhythmisch einen geraden Weg und bringen für Momente einen beruhigenden Fluss. Ruhe entsteht auch durch die häufig - wie auch von Mozart - verwendete walzerartige Begleitfigur. Formal findet man im Rondo Klähns alle Teile des auch von Mozart verwendeten Aufbaus wieder, nur umfangreicher. Der Wechsel von Hell und Dunkel wird bei Klähn gesteigert durch extreme Spannung und Klarheit. Die Entspannungsmomente sind von kurzer Dauer, dafür umso prägnanter hörbar z. B. durch signalhafte Unisoni oder schlichte Dur-Akkorde. Auffällig ist, dass Klähn das Stück in einem höchst aktiven, extrovertierten Charakter abschließt. Klähn ist als Maler bekannt geworden, seine Dichtungen sind in bisher drei Büchern veröffentlicht, aus seinen Kompositionen wird hier erstmals gespielt. Seine musikalische Ausbildung hat sich der Komponist zu Beginn der 1950er Jahre an Hamburger Akademien und im Selbststudium verschafft. Diese Musik ist eine moderne, auf den Errungenschaften Schönbergs aufbauende, die gleichwohl genau notiert ist. Ein Instrument zu spielen hat Klähn nicht gelernt, aber es gibt den tiefen Eindruck im Bericht seines Entdeckers und ersten Förderers Martin Gosebruch, der ihn an der Orgel einer Kirche in Rom improvisieren hörte. In den Ateliers Klähns hat bis in die 1970er Jahre ein Blüthnerflügel gestanden.

Das dritte seiner Streichquartette ist vom Komponisten mehrfach überarbeitet worden, um seine Spielbarkeit zu fördern. Andrea Benecke hat die letzte Fassung zum Ausgangspunkt ihrer Bearbeitung für Klavier genommen. Dabei hat sie darauf geachtet, die Stimmenverteilung weitgehend im Originalcharakter zu belassen, soweit dies pianistisch umsetzbar ist. Die rhythmische Steigerung von Harmonien ist das Thema dieses mit 12 Sätzen umfangreichen Werkes. Die Sätze werden von der aufführenden Pianistin wie folgt charakterisiert:

1. Andante - marschartig, polyphon umschlungen
2. Allegro - kanonartig und doch Improvisation, alles ist „easy going“
3. Allegro vivace - mystische Stimmung
4. Allegretto - pulsierend, Klänge erinnern an Ravel
5. Allegretto - dichter Notensatz, wird zum Ende immer durchsichtiger
6. Andante - Gespräch, bedeutungsvolle Pausen
7. Allegretto - eine Art Scherzo
8. Andante - Grave
9. Allegro - Elfentanz, sehr frei
10. Allegretto - Aria, innig wie ein Gebet
11. Allegretto - extrovertiert, tänzerisch
12. Allegro/Andante - Kadenz 1. Violine und Coda

Die CD "Kompositionen von Wolfgang Klähn" können Sie hier bestellen.

Thomas Gädeke